Di 30.04.19 Tag 1

„Bruchim HaBaim“ – „Gesegnet die Kommenden“, so steht es in der Ankunftshalle. Wir sind gelandet. Herzlich willkommen am Ben Gurion Flughafen in TEL Aviv, herzlich willkommen in Israel. 

Nachdem unser israelischer Reiseführer (aufgewachsen in Chemnitz) die Kommenden aus Hamburg, Frankfurt und Berlin in seinen Bus versammelt hat, geht es los in Richtung Norden. Unser erstes Quartier am See Genezereth und das Abendessen warten auf uns.

Der Stau in dem wir stehen, sei ein gutes Zeichen, Israel wachse, wirtschaftlich, touristisch und überhaupt. Straßen, die heute gebaut werden, sind in 2-3 Jahren zu klein.

Nachdem wir das Karmelgebirge überquert haben und mit der untergehenden Sonne unser Ziel näher kommt, erklärt uns unser Reiseführer, daß wir hier nicht die ersten Touristen seien. Vor ungefähr 170 Jahren durchquerte Mark Twain (Huckleberry Finn) diesen Teil der Erde und beschrieb ihn als trostloseste  Gegend ohne jede Hoffnung. 

Die Welt hier hat sich in den gut 150 Jahren hier verändert, was wir nicht nur am Straßenverkehr sehen können. 

Unser Hotel am See Genezareth erwartet uns mit einem Abendessen.

Mit einer abendlichen Runde, in der wir uns als Gruppe ein wenig beschnuppern, und mit Liedern auf unser Gastland einstimmen, beschliessen wir den Abend.

Wie wir bald lernen werden, ist das eigentlich schon der neue Tag, denn im Judentum beginnt der Tag mit dem Sonnenuntergang.

Text: Helmut Cohrs

 

Reisebericht Israelreise 2019

Sonnenaufgang am See Genezareth

Mi 1.5.19 Tag 2

Frühaufsteher lassen sich von der aufgehenden Sonne begrüßen. Es ist der 1. Mai, Feiertag in Deutschland. Davon spüren wir natürlich hier nichts. Es ist ein ganz normaler Arbeitstag.

„Boker Tov“, Guten Morgen auf Hebräisch

Der Wasserstand im See Genezareth, hatte uns Eytan gestern schon erklärt, ist ein Thema in ganz Israel, wichtiger als für uns Reisende der Umtauschkurs des Schekel von 4 Schekel für 1 €.

Durch den regenreichen Winter ist er auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gestiegen und liegt aktuell bei -211,29m. Das Vorzeichen ist kein Schreibfehler, wir befinden uns tatsächlich mehr als 200m unterhalb des Meeresspiegels. Ein Niveau, das wir später noch oder besser gesagt unterbieten werden. 

Heute auf dem Programm, einige Stätten, die an das Wirken Jesu hier erinnern, den Berg der Seligpreisungen, Kapernaum, Magdala.

Nicht nur angenehm sind wir von der Menge an Bussen beeindruckt, die Pilger von allen Kontinenten an diese Orte bringen. Es fällt nicht leicht, diese Äußerlichkeiten auszublenden.

 Pastor Michael Wacker ermuntert uns, die Augen zu schließen und auf die Worte aus dem 5ten Kapitel des Matthäusevangeliums zu hören. 

Heute werden die Worte der Bergpredigt, der Seligpreisungen hier in vielen Sprachen gehört und gesprochen. Für viele unter uns war dies an diesem Tag die eindrücklichste Erfahrung. Die Botschaft Jesu hat sich um die ganze Welt verbreitet.

Eine kleine Wanderung führt uns hinunter an den See zu Benediktinerkloster Tabgha, dem Ort, an dem an die Brotvermehrung und die Speisung der 5000 erinnert wird.

Uns ist bewußt, daß manche Orte, die wir besuchen, keine historischen Orte sind. Und doch bleibt am Ende dieses ersten Tages bei vielen der Eindruck, dass wir die Worte des Neuen Testament hier anders und neu hören.

Der Tag beginnt mit Abend: heute Abend beginnt Jom HaShoa, der Holocaust-Gedenktag, an dem in ganz Israel an die Ermordung von 6 Mio. Juden durch die deutschen Nationalsozialisten erinnert wird. Ein ernster Tag hier im Land.

Helmut Cohrs / Fotos: Luise Wacker

 

Reisebericht Israelreise 2019

Bereit zur Abfahrt- Guide Eytan und Michael


Reisebericht Israelreise 2019

Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen


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Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen

 

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Wanderung nach Tabgha

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Mittagessen (Petrusfisch) am See Genezareh


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Blick über den See

Do 02.05.2019 Tag 3
Touristen interessieren sich für das Wetter: nach den 34 Grad gestern, werden wir nach dem Frühstück von Gewitter und einem kurzen Regenschauer überrascht. Der Himmel ist von Wolken bedeckt.

Heute ist Holocaust Gedenktag. Das Fernsehprogramm war schon gestern Abend anders als sonst. In manchen Häusern werden 6 Kerzen entzündet, die 24 Stunden lang brennen. Zur Erinnerung an 6 Millionen ermordete Juden. Und um 10 Uhr werden im ganzen Land die Sirenen heulen und das öffentliche Leben steht für 2 Minuten still.

Wir fahren durch das Hulatal in den Norden. Beeindruckend, hier im Tal machen jedes Jahr ca. 500 Mio. Zugvögel Rast auf ihrem Weg „zu uns nach Norddeutschland“.

Unser Ziel ist der Kibbutz Misgav Am, der direkt an der libanesischen Grenze liegt. Wir haben einen weiten Blick ins Land und nicht weit entfernt findet sich ein UN Beobachtungsposten.

Josef, Mitglied des Kibbutz erklärt uns die Besonderheit der politischen und geografischen Situation hier. Früher gingen Leute hier über die Grenze und luden sich gegenseitig zu Hochzeitsfesten ein. Das Problem seien nicht die einfachen Leute auf beiden Seiten der Grenze, das Problem sei der Terrorismus.

Während wir seinem Vortrag gespannt zuhören, heulen die Sirenen auf. Josef, in Holland geboren, unterbricht seinen auf deutsch gehaltenen Vortrag. Wir erheben uns.

Nach dem Ende seines Vortrag und einer Fragerunde erfahren wir, daß Josef mehr als 100 Mitglieder seiner Familie im Holocaust verloren hat.

Nach diesem Besuch im Kibbutz Misgav Am und der Begegnung mit Josef fällt es nicht leicht, zum touristischen Tagesprogramm überzugehen. Auch Josef fiel es nicht leicht an die Jom HaShoa unsere deutsche Gruppe zu empfangen. Aber er wollte es. Und wir? Wir wollten doch auch genau wegen solcher Begegnungen nach Israel fahren.

Nach einem Besuch im Naturreservat Tel Dan und den archäologischen Ausgrabungsstätten dort fahren wir weiter hoch auf den Golan und genießen ein wunderbares Mittagessen mit lokalen Spezialitäten in einem drusischen Restaurent.

Vom Berg Bental haben wir einen weiten Blick nach Syrien. Unser Reiseführer gibt uns Einblicke in die politischen Zusammenhänge hier.

Jom HaShoa, der Kibbutz Misgav Am und die Begegnung mit Josef, Archäologie in Tel Dan, drusische Gastfreund und Weltpolitik auf dem Golan… Tag 3.

Helmut Cohrs/ Fotos: Luise Wacker

Reisebericht Israelreise 2019

Blick vom Kibbuz Misgav


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Blick vom Hotel auf See Genezareth


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Blick vom Berg Bental nach Syrien


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Auf dem Berg Bental


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Tor Abrahams in Tel Dan


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Blick vom Berg Bental zum schneebedeckten Berg Hermon

Tag 4 Fr. 3.5.19

Nach drei Nächten am See Genezareth packen wir die Koffer. Noch schnell den Wein an der Rezeption bezahlen. Die Straße Nr. 90 führt von der nördlichsten Stadt Israels an unserem Hotel vorbei bis in den Süden nach Eilat, ca. 470km. 

An diesem Ort im Land müssen wir etwas hören über die Kibbutzbewegung, die 1910 hier an der Südspitze des See Genezareth mit dem Kibbutz Deganja ihren Anfang nahm. Dem sozialistischen Ideal folgend: Gib soviel du kannst, nimm soviel du brauchst. 

Sie hat natürlich in den mehr als 100 Jahren viele Ausprägungen erlebt, neben der sozialistischen, auch religiöse oder säkulare. Kibbutzim, so die Mehrzahl, haben sich wirtschaftlich unterschiedlich ausgerichtet, die meisten landwirtschaftlich, heute aber auch im Tourismus. Und nach einem Rückgang in den Zahlen, verzeichnen viele heute wieder ein Wachstum, weil junge Leute nach der Ausbildung zurückkehren.

Wir folgen der 90 ins Jordantal, biegen aber nach wenigen Kilometern rechts ab, denn heute ist ein Badetag angesagt, oder wenigstens 2 Badestunden. Gan HaShloscha ist ein Open Air Badeparadies unter Palmen, in dem heute am Freitag besonders jugendliche arabischen Israelis ihren Spaß haben. Freitag ist für Muslime arbeitsfrei und in wenigen Tagen, am 06. Mai beginnt Ramadan, der muslimische Fastenmonat.

Unser Badeparadies liegt am Fuß der Gilboa Berge. Bibelkundige bringen sie gleich in Verbindung mit König Saul, der hier seinen letzten Kampf kämpfte und sein Ende fand.

Zurück auf der Nr. 90 passieren wir den Checkpoint zum Westjordanland, dem biblischen Samaria. Die Busfahrt ist lang und Eytan, unser Reiseführer macht uns mit vielem bekannt, das wir zu Hause schon mal gehört haben. Details über Oslo-Verträge, A B C Zonen, Palestinensische Autonomiebehörde, israelische Militärpräsenz, Zweistaatenlösung, Landwirtschaft, Dattelplantagen, BDS, etc. etc.

Während einer Rast erleben wir, ohne es zunächst zu realisieren, etwas sehr Ungewöhnliches: Regen im Jordantal im Monat Mai. Das sei etwas sehr Besonderes, erklärt uns Eytan.

Weiter mit anderen israelischen Besonderheiten. Die Israelische Gesellschaft ist ein buntes Mosaik. Das beinahe 2000 jährige Exil und die Rückkehr und die Einwanderung von Juden aus weit mehr als 100 Länder der Erde, sind der Grund. Alle haben ihre Traditionen, Lebensarten, Kleidungsstile mitgebracht. Die Sefardischen und Aschkenasischen, und da die Jekes aus Deutschland, die Chassidischen aus Osteuropa. 

Für uns unüberschaubar vielfältig, aber unser Reiseführer kann wunderbar erklären. 

Was sind die Hintergründe, dass ultraorthodoxe Juden vom Militärdienst befreit sind? Und warum gibt es heute eine wachsende Zahl von ultraorthodoxen Juden, die trotzdem Militärdienst leisten?

Nachdem wir an Jericho passiert haben, verlassen wir die Nr. 90 und fahren durch die judäische Wüste hinauf nach Jerusalem. Von -350m hinauf auf ca. 800m. Mehr als 1200m Höhenunterschied auf gerade mal gut 30km. Jetzt heißt die Strasse Nr. 1. Klar, denn sie führt ja nach Jerusalem.

Pastor Michael Wacker erinnert uns an Psalm 122. Ein Wallfahrtslied von David, das gesungen wurde, wenn das jüdische Volk zu den 3 großen Festen nach Jerusalem zog.

„Erbittet Frieden für Jerusalem!“ heißt es in Vers 6. Eine Aufforderung, der wir uns als Christen anschliessen wollen.

Und noch etwas. Es war die judäische Wüste in der Jesus sein Gleichnis vom barmherzigen Samariter verortete, auf den Weg zwischen Jerusalem und Jericho. Eine der Hauptmotivationen für das, was wir unter dem Begriff Diakonie zusammenfassen, hat ihrem Ursprung, wenn man so will, hier. 

Eytan fügt noch hinzu, daß die judäische Wüste auch der Ort war, in dem das frühe Mönchtum der Wüstenväter seinen Anfang nahm.

Wir modernen Menschen können heute von ihrer geistlichen Erfahrung und Weisheit lernen.

Ein moderner Straßentunnel unter dem Mount Scopus führt uns nach Jerusalem und gibt den Blick auf das Häusermeer und die Goldene Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg frei. Noch ein wenig Stadtverkehr und sind in unserem Hotel. Pause. Kühle Luft schnuppern.

Erst am frühen Abend wollen wir zu Westmauer fahren. Wir sagen Klagemauer, aber so wird dieser Teil des Tempelbergs hier nicht genannt. Kotel auf Hebräisch, Westmauer auf Deutsch oder Western Wall auf Englisch.

Heute ist Schabbat-Beginn und das wird an der Westmauer fröhlich gefeiert. Das wollen wir miterleben.

Die Fahrt heute war lang und wir haben viel gehört. Ein paar Stunden Pause in unserem neuen Quartier tun uns gut, denn das Highlight des Tages kommt noch erst. 

Wir sind eingeladen, den Beginn des Shabbat in einer Familie mitzufeiern. Aufgeteilt in zwei Gruppen sitzen wir je in einem Wohnzimmer dicht an dicht, folgen der Liturgie, singen und werden köstlich versorgt. Und, nicht zu vergessen, wir reden viel und lernen uns gegenseitig kennen. 

Tief beeindruckt von unseren Gastgebern und ihrer Gastfreundschaft fahren wir durch ein fast autofreies Jerusalem zurück ins Hotel. Shabbat in Jerusalem.

Helmut Cohrs

 

Tag 5 Sa. 04.05.19

Unser Reiseführer Eytan arbeitet heute am Shabbat nicht. Seine Kollegin Joela, sie stammt aus Basel, führt uns durch die Jerusalemer Altstadt.

Vorbei am Mt. Scopus, dem Stammsitz der 1918 gegründeten Hebräischen Universität, fahren wir auf den Ölberg, der zum arabischen Ostjerusalem gehört. 

Von jüdischer Shabbatruhe, keine Spur. Und touristisch sind wir nicht allein unterwegs, um es milde auszudrücken. Wir werden aber mit einer grandiosen Aussicht auf die Altstadt von Jerusalem und den Tempelberg entschädigt.

Araber und Juden leben oft neben und ineinander, aber nicht unbedingt miteinander, meint Joela.

Wir finden tatsächlich eine ruhige Ecke. Joela erklärt die Bedeutung für Juden, Christen und Muslime. Souvenierhändler umschwärmen uns, bieten alles, von der Postkarte bis zum Kamelritt.

Mittelalterliche Weltkarten zeigen Jerusalem als Mittelpunkt der Welt. Schaut man in unseren Tagen in die Fernsehnachrichten, Zeitungen oder Internet so scheint sich wenig geändert zu haben. Was hier passiert, bewegt die Welt.

Vorbei an der Kapelle Dominus Flevit und dem Garten Gethsemane erreichen wir die Altstadt durch das sogenannte Löwentor. Durch dieses Tor drängen im 6-Tagekrieg Israelische Fallschirmjäger ein und befreiten die Altstadt. Heute immer noch ein sensibler Ort, aber mit seinen Marktgassen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten ein ausgesprochen lebendiger. Vor allem aber wieder Ort des Gebetes für Alle.

Joela gib uns noch einige Erklärungen zum Leidensweg Jesu mit seinen 14 Stationen. Die Via Dolorosa nimmt hier ihren Anfang und endet in der Grabeskirche.

Die Temperatur, 32 Grad heute Mittag, und die vielen anderen Touristen die uns im Weg stehen, ;-), haben uns geschafft – Mittagspause. Im Österreichischen Hospiz herrscht Wiener Caféhaus-Atmosphäre. (unter Hospiz versteht man hier nicht ein Haus für Sterbebegleitung. Es sind Pilgerherbergen, die hier im 19. Jhrt entstanden und anfangs auch Krankenstationen hatten)

Am Nachmittag dann ziehen wir uns etwas außerhalb der Altstadt in das „Gartengrab“ zurück. Dieser oasenartige Garten ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der historische Ort, an dem der gekreuzigte Jesus begraben wurde. Er zeigt aber ein typisches Grab der Zeit und soll ein Stiller Ort der Erinnerung an die Auferstehung Jesu sein. In diesem Sinn sicher ein Kontrastprogramm zur fast immer überfüllten Grabeskirche. Hier feiern wir ein schlichtes Abendmahl.

Einige von uns wollen, bevor uns der Bus wieder aufsammelt, doch noch in die Grabeskirche.

Anderen tun die Füße weh und lassen sich im Christ Church Café am Jaffa Gate einen leckeren Cappucino schmecken.

Helmut Cohrs

 

Tag 6 So. 05.05.19

Ein neue Runde hat begonnen, erklärt uns Eytan heute früh.

Nein, gemeint ist nicht unser Reiseprogramm. Mit „neue Runde“ ist in Israel 

eine neue Welle von Raketen aus dem Gazastreifen gemeint. 300 waren es bisher. Es gab Tote. 

Wir sind in Jerusalem und nicht direkt betroffen. Unser Reiseführer, lebt mit seiner Familie weniger als 40km vom Gazastreifen entfernt. Seine Kinder haben heute schulfrei. 

15 bis 45 Sekunden, je nach Entfernung vom Gazastreifen, haben  Bewohner Zeit, um ihre Schutzräume aufzusuchen, die es in jedem Haus gibt. 

Die Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, die unter dieser ständigen Bedrohung leben, leiden unter massiven psychischen Folgen.

Yad Vashem steht heute auf dem Programm.

Wie können wir über das berichten, was dort gezeigt und an was dort erinnert wird? Dieser Besuch läßt niemanden kalt. Er erschüttert, macht sprachlos und vielleicht ratlos. Dabei ist es gerade das Ziel, nicht sprachlos zu bleiben, sondern darüber zu reden, dem Schweigen oder sogar dem Verschweigen die Erinnerung an die Realität dieser Vergangenheit entgegen zu setzen.

Yad bedeutet Hand, oder auch Gedenken. Und Shem bedeutet Name. So soll der Namen gedacht werden, denn jeder der 6 Mio. Juden, die im Holocaust ermordet wurden, hatte ein Leben, einen Namen. 1,5 Mio. von ihnen waren Kinder. 

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll die Brüche, die durch das Nationalsozialistische Deutschland ins Leben der Juden Europas und letztlich in unsere Zivilistation überhaupt gebracht hat.

Sie beginnt mit dem Alltagsleben der Juden in Europa, in Osteuropa.

Nazis wollten nicht nur töten, sondern jegliche Erinnerung an jüdisches Leben auslöschen, vollständig vernichten.

Der erste Bruch: die Verbrennung der Bücher. Wir werden an den Satz von Heinrich Heine erinnert: „Wo Bücher verbrannt werden, werden auch bald Menschen verbrannt“. Es folgt Krieg, zuerst gegen Polen, die Kennzeichnung von Juden, Enteignung,  Ghettos, hauptsächlich in Osteuropa,  Operation Barbarossa, Einsatzgruppen der Wehrmacht werden gezielt zur Ermordung von Juden eingesetzt. Man dachte, daß es schlimmer nicht mehr werden könnte, aber das war falsch. Es kam immer noch schlimmer, bis hin zur fabrikmäßigen Tötung in den Vernichtungslagern. Dennoch, auch das Schlimmste, das Unvorstellbare, dessen historische Realität uns hier vor Augen geführt wird, war nicht das Ende des jüdischen Volkes…

Zwei weitere Gedenkstätten, die sich auch auf dem weitläufigen Gelände von Yad VaShem befinden besuchen wir noch im Anschluss an die Ausstellung: Die Gedenkstätte für die ermordeten Kinder und das Tal der Gemeinden.

Beide beeindrucken uns zutiefst.

Was nehmen wir von diesem Ort mit? Was lernen wir? Was machen wir mit dem, was wir hier erfahren und erspürt haben?

Es ist unsere Christenpflicht, informiert zu sein um gewappnet zu sein gegen Verführung und Ideologie, so einer der Teilnehmer.

Bevor wir wieder in den Bus steigen fällt unser Auge auf ein Bibelwort, geschrieben auf das Ausgangstor und von tiefer Bedeutung nicht nur für religiöse Israelis: „Und ich will meinen Ödem in euch geben, das ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. Ich rede es und tue es auch, spricht der HERR“ aus dem Buch des Propheten Hesekiel 37, 14 (Luth.2017)

Zeit zum Innehalten, Nachdenken, Gebet.

Der Mehane Jehuda Markt an der Jaffa Street ist der bunteste in ganz Israel. Hier zeigen sich die unterschiedlichsten Kulturen, aus denen die israelische Gesellschaft besteht. Gucken, Staunen, Riechen, Schmecken, Bummeln, jedenfalls nicht Hetzen!

Etliche von uns sind an diesem Nachmittag auf eigene Faust unterwegs. 

Am Abend treffen wir uns in unserem Hotel mit Krista Gerloff. Sie lebt mit ihrem Mann Johannes seit mehr als 25 Jahren in Jerusalem. Sie haben durch ihre journalistische und theologische Arbeit einen tiefen und detaillierten Einblick in das Leben in Israel, im Heiligen Land, den Nahost-Konflikt und Verständnis für das Judentums als Wurzel des Christentums vermittelt.

Reisebericht Israelreise 2019

Denkmal in der Nähe von Yad Vashem: Waggon nach Ausschwitz


Reisebericht Israelreise 2019

Ausgang der Gedenkstätte Yad Vashem


Reisebericht Israelreise 2019

Einblick in den jüdischen Markt Mechane Yehuda, Jerusalem

 

Helmut Cohrs