Di 30.04.19 Tag 1

„Bruchim HaBaim“ – „Gesegnet die Kommenden“, so steht es in der Ankunftshalle. Wir sind gelandet. Herzlich willkommen am Ben Gurion Flughafen in TEL Aviv, herzlich willkommen in Israel. 

Nachdem unser israelischer Reiseführer (aufgewachsen in Chemnitz) die Kommenden aus Hamburg, Frankfurt und Berlin in seinen Bus versammelt hat, geht es los in Richtung Norden. Unser erstes Quartier am See Genezereth und das Abendessen warten auf uns.

Der Stau in dem wir stehen, sei ein gutes Zeichen, Israel wachse, wirtschaftlich, touristisch und überhaupt. Straßen, die heute gebaut werden, sind in 2-3 Jahren zu klein.

Nachdem wir das Karmelgebirge überquert haben und mit der untergehenden Sonne unser Ziel näher kommt, erklärt uns unser Reiseführer, daß wir hier nicht die ersten Touristen seien. Vor ungefähr 170 Jahren durchquerte Mark Twain (Huckleberry Finn) diesen Teil der Erde und beschrieb ihn als trostloseste  Gegend ohne jede Hoffnung. 

Die Welt hier hat sich in den gut 150 Jahren hier verändert, was wir nicht nur am Straßenverkehr sehen können. 

Unser Hotel am See Genezareth erwartet uns mit einem Abendessen.

Mit einer abendlichen Runde, in der wir uns als Gruppe ein wenig beschnuppern, und mit Liedern auf unser Gastland einstimmen, beschliessen wir den Tag.

Wie wir bald lernen werden, ist das eigentlich schon der neue Tag, denn im Judentum beginnt der Tag mit dem Sonnenuntergang.

Text: Helmut Cohrs

 

Reisebericht Israelreise 2019

Sonnenaufgang am See Genezareth

Mi 1.5.19 Tag 2

Frühaufsteher lassen sich von der aufgehenden Sonne begrüßen. Es ist der 1. Mai, Feiertag in Deutschland. Davon spüren wir natürlich hier nichts. Es ist ein ganz normaler Arbeitstag.

„Boker Tov“, Guten Morgen auf Hebräisch

Der Wasserstand im See Genezareth, hatte uns Eytan gestern schon erklärt, ist ein Thema in ganz Israel, wichtiger als für uns Reisende der Umtauschkurs des Schekel von 4 Schekel für 1 €.

Durch den regenreichen Winter ist er auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gestiegen und liegt aktuell bei -211,29m. Das Vorzeichen ist kein Schreibfehler, wir befinden uns tatsächlich mehr als 200m unterhalb des Meeresspiegels. Ein Niveau, das wir später noch über- oder besser gesagt unterbieten werden.

Heute auf dem Programm, einige Stätten, die an das Wirken Jesu hier erinnern, den Berg der Seligpreisungen, Kapernaum, Magdala.

Nicht nur angenehm sind wir von der Menge an Bussen beeindruckt, die Pilger von allen Kontinenten an diese Orte bringen. Es fällt nicht leicht, diese Äußerlichkeiten auszublenden.

 Pastor Michael Wacker ermuntert uns, die Augen zu schließen und auf die Worte aus dem 5ten Kapitel des Matthäusevangeliums zu hören. 

Heute werden die Worte der Bergpredigt, der Seligpreisungen hier in vielen Sprachen gehört und gesprochen. Für viele unter uns war dies an diesem Tag die eindrücklichste Erfahrung. Die Botschaft Jesu hat sich um die ganze Welt verbreitet.

Eine kleine Wanderung führt uns hinunter an den See zum Benediktinerkloster Tabgha, dem Ort, an dem an die Brotvermehrung und die Speisung der 5000 erinnert wird.

Uns ist bewußt, daß manche Orte, die wir besuchen, keine historischen Orte sind. Und doch bleibt am Ende dieses ersten Tages bei vielen der Eindruck, dass wir die Worte des Neuen Testament hier anders und neu hören.

Der Tag beginnt mit Abend: heute Abend beginnt Jom HaShoa, der Holocaust-Gedenktag, an dem in ganz Israel an die Ermordung von 6 Mio. Juden durch die deutschen Nationalsozialisten erinnert wird. Ein ernster Tag hier im Land.

Helmut Cohrs / Fotos: Luise Wacker

 

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Bereit zur Abfahrt- Guide Eytan und Michael


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Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen


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Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen

 

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Wanderung nach Tabgha

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Mittagessen (Petrusfisch) am See Genezareh


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Blick über den See

Do 02.05.2019 Tag 3
Touristen interessieren sich für das Wetter: nach den 34 Grad gestern, werden wir nach dem Frühstück von Gewitter und einem kurzen Regenschauer überrascht. Der Himmel ist von Wolken bedeckt.

Heute ist Holocaust Gedenktag. Das Fernsehprogramm war schon gestern Abend anders als sonst. In manchen Häusern werden 6 Kerzen entzündet, die 24 Stunden lang brennen. Zur Erinnerung an 6 Millionen ermordete Juden. Und um 10 Uhr werden im ganzen Land die Sirenen heulen und das öffentliche Leben steht für 2 Minuten still.

Wir fahren durch das Hulatal in den Norden. Beeindruckend, hier im Tal machen jedes Jahr ca. 500 Mio. Zugvögel Rast auf ihrem Weg „zu uns nach Norddeutschland“.

Unser Ziel ist der Kibbutz Misgav Am, der direkt an der libanesischen Grenze liegt. Wir haben einen weiten Blick ins Land und nicht weit entfernt findet sich ein UN Beobachtungsposten.

Josef, Mitglied des Kibbutz erklärt uns die Besonderheit der politischen und geografischen Situation hier. Früher gingen Leute hier über die Grenze und luden sich gegenseitig zu Hochzeitsfesten ein. Das Problem seien nicht die einfachen Leute auf beiden Seiten der Grenze, das Problem sei der Terrorismus.

Während wir seinem Vortrag gespannt zuhören, heulen die Sirenen auf. Josef, in Holland geboren, unterbricht seinen auf deutsch gehaltenen Vortrag. Wir erheben uns.

Nach dem Ende seines Vortrag und einer Fragerunde erfahren wir, daß Josef mehr als 100 Mitglieder seiner Familie im Holocaust verloren hat.

Nach diesem Besuch im Kibbutz Misgav Am und der Begegnung mit Josef fällt es nicht leicht, zum touristischen Tagesprogramm überzugehen. Auch Josef fiel es nicht leicht an diesem Jom HaShoa unsere deutsche Gruppe zu empfangen. Aber er wollte es. Und wir? Wir wollten doch auch genau wegen solcher Begegnungen nach Israel fahren.

Nach einem Besuch im Naturreservat Tel Dan und den archäologischen Ausgrabungsstätten dort fahren wir weiter hoch auf den Golan und genießen ein wunderbares Mittagessen mit lokalen Spezialitäten in einem drusischen Restaurent.

Vom Berg Bental haben wir einen weiten Blick nach Syrien. Unser Reiseführer gibt uns Einblicke in die politischen Zusammenhänge hier.

Jom HaShoa, der Kibbutz Misgav Am und die Begegnung mit Josef, Archäologie in Tel Dan, drusische Gastfreund und Weltpolitik auf dem Golan… Tag 3.

Helmut Cohrs/ Fotos: Luise Wacker

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Blick vom Kibbuz Misgav


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Blick vom Hotel auf See Genezareth


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Blick vom Berg Bental nach Syrien


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Auf dem Berg Bental


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Tor Abrahams in Tel Dan


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Blick vom Berg Bental zum schneebedeckten Berg Hermon

Tag 4 Fr. 3.5.19

Nach drei Nächten am See Genezareth packen wir die Koffer. Noch schnell den Wein an der Rezeption bezahlen. Die Straße Nr. 90 führt von der nördlichsten Stadt Israels an unserem Hotel vorbei bis in den Süden nach Eilat, ca. 470km. 

An diesem Ort im Land müssen wir etwas hören über die Kibbutzbewegung, die 1910 hier an der Südspitze des See Genezareth mit dem Kibbutz Deganja ihren Anfang nahm. Dem sozialistischen Ideal folgend: Gib soviel du kannst, nimm soviel du brauchst. 

Sie hat natürlich in den mehr als 100 Jahren viele Ausprägungen erlebt, neben der sozialistischen, auch religiöse oder säkulare. Kibbutzim, so die Mehrzahl, haben sich wirtschaftlich unterschiedlich ausgerichtet, die meisten landwirtschaftlich, heute aber auch im Tourismus. Und nach einem Rückgang in den Zahlen, verzeichnen viele heute wieder ein Wachstum, weil junge Leute nach der Ausbildung zurückkehren.

Wir folgen der 90 ins Jordantal, biegen aber nach wenigen Kilometern rechts ab, denn heute ist ein Badetag angesagt, oder wenigstens 2 Badestunden. Gan HaShloscha ist ein Open Air Badeparadies unter Palmen, in dem heute am Freitag besonders jugendliche arabischen Israelis ihren Spaß haben. Freitag ist für Muslime arbeitsfrei und in wenigen Tagen, am 06. Mai beginnt Ramadan, der muslimische Fastenmonat.

Unser Badeparadies liegt am Fuß der Gilboa Berge. Bibelkundige bringen sie gleich in Verbindung mit König Saul, der hier seinen letzten Kampf kämpfte und sein Ende fand.

Zurück auf der Nr. 90 passieren wir den Checkpoint zum Westjordanland, dem biblischen Samaria. Die Busfahrt ist lang und Eytan, unser Reiseführer macht uns mit vielem bekannt, das wir zu Hause schon mal gehört haben. Details über Oslo-Verträge, A B C Zonen, Palestinensische Autonomiebehörde, israelische Militärpräsenz, Zweistaatenlösung, Landwirtschaft, Dattelplantagen, BDS, etc. etc.

Während einer Rast erleben wir, ohne es zunächst zu realisieren, etwas sehr Ungewöhnliches: Regen im Jordantal im Monat Mai. Das sei etwas sehr Besonderes, erklärt uns Eytan.

Weiter mit anderen israelischen Besonderheiten. Die Israelische Gesellschaft ist ein buntes Mosaik. Das beinahe 2000 jährige Exil und die Rückkehr und die Einwanderung von Juden aus weit mehr als 100 Länder der Erde, sind der Grund. Alle haben ihre Traditionen, Lebensarten, Kleidungsstile mitgebracht. Die Sefardischen und Aschkenasischen, und da die Jekes aus Deutschland, die Chassidischen aus Osteuropa. 

Für uns unüberschaubar vielfältig, aber unser Reiseführer kann wunderbar erklären. 

Was sind die Hintergründe, dass ultraorthodoxe Juden vom Militärdienst befreit sind? Und warum gibt es heute eine wachsende Zahl von ultraorthodoxen Juden, die trotzdem Militärdienst leisten?

Nachdem wir Jericho passiert haben, verlassen wir die Nr. 90 und fahren durch die judäische Wüste hinauf nach Jerusalem. Von -350m hinauf auf ca. 800m. Mehr als 1200m Höhenunterschied auf gerade mal gut 30km. Jetzt heißt die Strasse Nr. 1. Klar, denn sie führt ja nach Jerusalem.

Pastor Michael Wacker erinnert uns an Psalm 122. Ein Wallfahrtslied von David, das gesungen wurde, wenn das jüdische Volk zu den 3 großen Festen nach Jerusalem zog.

„Erbittet Frieden für Jerusalem!“ heißt es in Vers 6. Eine Aufforderung, der wir uns als Christen anschliessen wollen.

Und noch etwas. Es war die judäische Wüste in der Jesus sein Gleichnis vom barmherzigen Samariter verortete, auf den Weg zwischen Jerusalem und Jericho. Eine der Hauptmotivationen für das, was wir unter dem Begriff Diakonie zusammenfassen, hat ihren Ursprung, wenn man so will, hier.

 

Eytan fügt noch hinzu, daß die judäische Wüste auch der Ort war, in dem das frühe Mönchtum der Wüstenväter seinen Anfang nahm.

Wir modernen Menschen können heute von ihrer geistlichen Erfahrung und Weisheit lernen.

Ein moderner Straßentunnel unter dem Mount Scopus führt uns nach Jerusalem und gibt den Blick auf das Häusermeer und die Goldene Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg frei. Noch ein wenig Stadtverkehr und sind in unserem Hotel. Pause. Kühle Luft schnuppern.

Erst am frühen Abend wollen wir zu Westmauer fahren. Wir sagen Klagemauer, aber so wird dieser Teil des Tempelbergs hier nicht genannt. Kotel auf Hebräisch, Westmauer auf Deutsch oder Western Wall auf Englisch.

Heute ist Schabbat-Beginn und das wird an der Westmauer fröhlich gefeiert. Das wollen wir miterleben.

Die Fahrt heute war lang und wir haben viel gehört. Ein paar Stunden Pause in unserem neuen Quartier tun uns gut, denn das Highlight des Tages kommt noch erst. 

Wir sind eingeladen, den Beginn des Shabbat in einer Familie mitzufeiern. Aufgeteilt in zwei Gruppen sitzen wir je in einem Wohnzimmer dicht an dicht, folgen der Liturgie, singen und werden köstlich versorgt. Und, nicht zu vergessen, wir reden viel und lernen uns gegenseitig kennen. 

Tief beeindruckt von unseren Gastgebern und ihrer Gastfreundschaft fahren wir durch ein fast autofreies Jerusalem zurück ins Hotel. Shabbat in Jerusalem.

Helmut Cohrs

 

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Badestop in Gran Hashlosha


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Von Jericho hinauf nach Jerusalem


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Einfahrt Jerusalem


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Blick vom Hotel auf das nächtliche Jerusalem

 

Tag 5 Sa. 04.05.19

Unser Reiseführer Eytan arbeitet heute am Shabbat nicht. Seine Kollegin Yoela, sie stammt aus Basel, führt uns durch die Jerusalemer Altstadt.

Vorbei am Mt. Scopus, dem Stammsitz der 1918 gegründeten Hebräischen Universität, fahren wir auf den Ölberg, der zum arabischen Ostjerusalem gehört. 

Von jüdischer Shabbatruhe, keine Spur. Und touristisch sind wir nicht allein unterwegs, um es milde auszudrücken. Wir werden aber mit einer grandiosen Aussicht auf die Altstadt von Jerusalem und den Tempelberg entschädigt.

Araber und Juden leben oft neben und ineinander, aber nicht unbedingt miteinander, meint Joela.

Wir finden tatsächlich eine ruhige Ecke. Joela erklärt die Bedeutung für Juden, Christen und Muslime. Souvenierhändler umschwärmen uns, bieten alles, von der Postkarte bis zum Kamelritt.

Mittelalterliche Weltkarten zeigen Jerusalem als Mittelpunkt der Welt. Schaut man in unseren Tagen in die Fernsehnachrichten, Zeitungen oder Internet so scheint sich wenig geändert zu haben. Was hier passiert, bewegt die Welt.

Vorbei an der Kapelle Dominus Flevit und dem Garten Gethsemane erreichen wir die Altstadt durch das sogenannte Löwentor. Durch dieses Tor drängen im 6-Tagekrieg Israelische Fallschirmjäger ein und befreiten die Altstadt. Heute immer noch ein sensibler Ort, aber mit seinen Marktgassen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten ein ausgesprochen lebendiger. Vor allem aber wieder Ort des Gebetes für Alle.

Joela gib uns noch einige Erklärungen zum Leidensweg Jesu mit seinen 14 Stationen. Die Via Dolorosa nimmt hier ihren Anfang und endet in der Grabeskirche.

Die Temperatur, 32 Grad heute Mittag, und die vielen anderen Touristen die uns im Weg stehen, ;-), haben uns geschafft – Mittagspause. Im Österreichischen Hospiz herrscht Wiener Caféhaus-Atmosphäre. (unter Hospiz versteht man hier nicht ein Haus für Sterbebegleitung. Es sind Pilgerherbergen, die hier im 19. Jhrt entstanden und anfangs auch Krankenstationen hatten)

Am Nachmittag dann ziehen wir uns etwas außerhalb der Altstadt in das „Gartengrab“ zurück. Dieser oasenartige Garten ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der historische Ort, an dem der gekreuzigte Jesus begraben wurde. Er zeigt aber ein typisches Grab der Zeit und soll ein Stiller Ort der Erinnerung an die Auferstehung Jesu sein. In diesem Sinn sicher ein Kontrastprogramm zur fast immer überfüllten Grabeskirche. Hier feiern wir ein schlichtes Abendmahl.

Einige von uns wollen, bevor uns der Bus wieder aufsammelt, doch noch in die Grabeskirche.

Anderen tun die Füße weh und lassen sich im Christ Church Café am Jaffa Gate einen leckeren Cappucino schmecken.

Helmut Cohrs

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Viel Verkehr…


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Sonnenaufgang über Jerusalem


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Auf dem Weg hinunter zum Garten Gethsemane


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Unterwegs auf der Via Dolorosa


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Joela erklärt die Kreuzwegstationen der Via Dolorosa


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In der Grabeskirche


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Ausblick vom Ölberg auf Jerusalem


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Gartengrab


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Uralte Olivenbäume im Garten Gethsemane


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Grabeskirche

Tag 6 So. 05.05.19

Ein neue Runde hat begonnen, erklärt uns Eytan heute früh.

Nein, gemeint ist nicht unser Reiseprogramm. Mit „neue Runde“ ist in Israel 

eine neue Welle von Raketen aus dem Gazastreifen gemeint. 300 waren es bisher. Es gab Tote. 

Wir sind in Jerusalem und nicht direkt betroffen. Unser Reiseführer, lebt mit seiner Familie weniger als 40km vom Gazastreifen entfernt. Seine Kinder haben heute schulfrei. 

15 bis 45 Sekunden, je nach Entfernung vom Gazastreifen, haben  Bewohner Zeit, um ihre Schutzräume aufzusuchen, die es in jedem Haus gibt. 

Die Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, die unter dieser ständigen Bedrohung leben, leiden unter massiven psychischen Folgen.

Yad Vashem steht heute auf dem Programm.

Wie können wir über das berichten, was dort gezeigt und an was dort erinnert wird? Dieser Besuch läßt niemanden kalt. Er erschüttert, macht sprachlos und vielleicht ratlos. Dabei ist es gerade das Ziel, nicht sprachlos zu bleiben, sondern darüber zu reden, dem Schweigen oder sogar dem Verschweigen die Erinnerung an die Realität dieser Vergangenheit entgegen zu setzen.

Yad bedeutet Hand, oder auch Gedenken. Und Shem bedeutet Name. So soll der Namen gedacht werden, denn jeder der 6 Mio. Juden, die im Holocaust ermordet wurden, hatte ein Leben, einen Namen. 1,5 Mio. von ihnen waren Kinder. 

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll die Brüche, die durch das Nationalsozialistische Deutschland ins Leben der Juden Europas und letztlich in unsere Zivilistation überhaupt gebracht hat.

Sie beginnt mit dem Alltagsleben der Juden in Europa, in Osteuropa.

Nazis wollten nicht nur töten, sondern jegliche Erinnerung an jüdisches Leben auslöschen, vollständig vernichten.

Der erste Bruch: die Verbrennung der Bücher. Wir werden an den Satz von Heinrich Heine erinnert: „Wo Bücher verbrannt werden, werden auch bald Menschen verbrannt“. Es folgt Krieg, zuerst gegen Polen, die Kennzeichnung von Juden, Enteignung,  Ghettos, hauptsächlich in Osteuropa,  Operation Barbarossa, Einsatzgruppen der Wehrmacht werden gezielt zur Ermordung von Juden eingesetzt. Man dachte, daß es schlimmer nicht mehr werden könnte, aber das war falsch. Es kam immer noch schlimmer, bis hin zur fabrikmäßigen Tötung in den Vernichtungslagern. Dennoch, auch das Schlimmste, das Unvorstellbare, dessen historische Realität uns hier vor Augen geführt wird, war nicht das Ende des jüdischen Volkes…

Zwei weitere Gedenkstätten, die sich auch auf dem weitläufigen Gelände von Yad VaShem befinden besuchen wir noch im Anschluss an die Ausstellung: Die Gedenkstätte für die ermordeten Kinder und das Tal der Gemeinden.

Beide beeindrucken uns zutiefst.

Was nehmen wir von diesem Ort mit? Was lernen wir? Was machen wir mit dem, was wir hier erfahren und erspürt haben?

Es ist unsere Christenpflicht, informiert zu sein um gewappnet zu sein gegen Verführung und Ideologie, so einer der Teilnehmer.

Bevor wir wieder in den Bus steigen fällt unser Auge auf ein Bibelwort, geschrieben auf das Ausgangstor und von tiefer Bedeutung nicht nur für religiöse Israelis: „Und ich will meinen Ödem in euch geben, das ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. Ich rede es und tue es auch, spricht der HERR“ aus dem Buch des Propheten Hesekiel 37, 14 (Luth.2017)

Zeit zum Innehalten, Nachdenken, Gebet.

Der Mehane Jehuda Markt an der Jaffa Street ist der bunteste in ganz Israel. Hier zeigen sich die unterschiedlichsten Kulturen, aus denen die israelische Gesellschaft besteht. Gucken, Staunen, Riechen, Schmecken, Bummeln, jedenfalls nicht Hetzen!

Etliche von uns sind an diesem Nachmittag auf eigene Faust unterwegs. 

Am Abend treffen wir uns in unserem Hotel mit Krista Gerloff. Sie lebt mit ihrem Mann Johannes seit mehr als 25 Jahren in Jerusalem. Sie haben durch ihre journalistische und theologische Arbeit einen tiefen und detaillierten Einblick in das Leben in Israel, im Heiligen Land, den Nahost-Konflikt und Verständnis für das Judentums als Wurzel des Christentums vermittelt.

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Denkmal in der Nähe von Yad Vashem: Waggon nach Ausschwitz


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Ausgang der Gedenkstätte Yad Vashem


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Einblick in den jüdischen Markt Mechane Yehuda, Jerusalem

 

Helmut Cohrs

 

Tag 7 Mo. 06.05.19

Mahmoud, unser Busfahrer, ist beduinischer Araber und Moslem. Für ihn beginnt heute Ramadan und das bedeutet am Tage, kein Essen, kein Trinken, keine Zigaretten…

Wir passieren den Checkpoint zur A-Zone Bethlehem und werden von Mohaned in die Geburtskirche begleitet. Drei Konfessionen „kümmern“ sich um diese Heilige Stätte, Orthodoxe, Armenier und die katholischen Franzikaner.

2013 hat man mit der ersten Restaurierung seit 500 Jahren begonnen. Sie hat beeindruckende Mosaike wieder sichtbar gemacht. Seit vielen Jahren sollen die  Arbeiten zu Weihnachten fertig werden. Mohaned, ein muslimischer Palestinenser, der ein paar Jahre in Deutschland gelebt hat, ist sich aber völlig sicher, dass das es auf jeden Fall vor der Eröffnung des Berliner Flughafens sein wird. 

Ein ganzes System von Grotten erinnern in vielfältigen Traditionen an die Geburt Jesu hier in Bethlehem. Auch an den Besuch der Weisen, der Hirten, die Flucht nach Ägypten und den Kindermord durch Herodes wird erinnert.

In der Stille der Kath. Kirche singen wir „Laudate Omnes Gentes“. Wie lebendig wird doch ein Kirchengebäude, wenn gesungen wird…

Rückkehr nach Jerusalem und eine ganz besondere Begegung. In der Erlöserkirche, der lutherischen Kirche in der Jerusalemer Altstadt, treffen wir den Bischhof der arabisch sprechenden Christen in Jordanien und dem Heiligen Land, Bischof S. Ibrahim Azar. Unser Reiseleiter, Pastor Michael Wacker, und der jetzige Bischof kennen sich seit ihrer teilweise gemeinsamen Studentenzeit. 

Bischof Azar berichtet uns von der wichtigen Aufgabe, die die kleine arabische evangelisch christliche Gemeinde hier im Nahen Osten hat. Neben Gottesdiensten ist dies vor allem auch die Arbeit in Schulen, in denen neben den christlichen auch muslimische Kinder unterrichtet werden. So kann ein kleiner Beitrag zu Verständigung und Versöhnung in diesem konfliktreichen Teil der Welt aussehen. Von diesem Mann mit seiner eher leisen Stimme sind wir tief bedeindruckt. Von seinem hintersinnigen Humor, wenn er über Studentenstreiche aus längst vergangenen Tagen berichtet, ebenso. Seiner Bitte, für die arabischen Christen hier und die Arbeit seiner Kirche zu beten, werden sicher viele von uns folgen. Es soll ein Gebet darum sein, dass die Mauern in den Herzen der Menschen einfallen.

Es folgt die Besichtigung der Ausgrabungen der sogenannten Davidsstadt, dem meistausgegrabenen und archäologisch erforschten Teil in Israel, der über die letzten Jahre manches Erstaunliche hervorgebracht hat.

Dazu gehört der Hiskia-Tunnel, der im 2. Buch der Könige Kap. 18-20 erwähnt wird. Dabei handelt es sich um einen mehr als 500m langen unterirdischen Kanal zur Wasserversorgung, den König Hiskia 701 v. Chr. anlegen ließ, um die Gihonquelle mit dem Teich Siloah zu verbinden. Zeitweise gebückt, mit Taschenlampen oder Händi-Beleuchtung ausgestattet, arbeiten wir uns in 10 bis 50cm tiefem Wasser durch diese oft nur Schulterbreite Wasserleitung. Dieses Erlebnis dauert gut eine halbe Stunde und ist wirklich einmalig.

Ein weiteres, ganz ähnliches Tunnelerlebnis, nur ohne nasse Füße, werden wir an diesem Nachmittag noch haben, nämlich den Western Wall Tunnel.

Vorher ist kurz Zeit für einen Cappuccino oder ein Bier im jüdischen Viertel der Altstadt.

Zurück zum Western Wall Tunnel. Dieser führt unterirdisch von der Klagemauer entlang der Westmauer der Richtung Norden und endet an der Via Dolorosa. Für Juden ist dieser Tunnel besonders wichtig. Er führt sie, wenn auch nur unterirdisch, besonders nah an den Felsenstein, der für sie der heiligste Ort ist. Dieser Felsen auf dem Berg Moriah, ist nach jüdischer Überlieferung der Ort der Schöpfung der Welt und der Ort an dem Abraham Isaak opfern sollte. Dieser Felsen liegt unter dem Felsendom auf dem Tempelberg, auf dem es gemäß der Vereinbarungen zwischen dem Staat Israel und der WAQF, der islamischen Religionsbehörde, es den Juden verboten ist zu beten.

Am Ende des Sechstagekrieges und mit der kampflosen Eroberung der Altstadt von Jerusalem hatte der damalige Verteidigungsminister Moshe Dajan die Hoheit über den Tempelberg der WAQF übertragen. Dies sollte ein versöhnliches Zeichen in Richtung der muslimischen arabischen Staaten sein.

Wir bekommen eine Ahnung davon, wie kompliziert manche Dinge hier in Jerusalem sind.

Spät und von einem langen Tag erschöpft kehren wir zurück in unser Hotel. Sehnsucht nach Erholung kommt auf und wir spüren, daß eine Reise nach Israel und Jerusalem mehr mit Abenteuer, Entdeckung und Anstrengung zu tun hat, als dass es ein Erholungsurlaub ist.

Für Mahmoud unseren Busfahrer beginnt mit Sonnenuntergang das Fastenbrechen.

Helmut Cohrs

 

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Am Eingang der Geburtskirche in Bethlehem


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In der Geburtskirche in Bethlehem


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Blick auf Westmauer in Jerusalem


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An der Westmauer


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Ausgrabungen in der alten Davidsstadt


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In der Geburtskirche in Bethlehem


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Waten durch den Hiskiatunnel

 

Tag 8 Di 07.05.19

Heute früh sind es nur 15 Grad, eine angenehme Abkühlung. Denjenigen, denen das viel zu kalt ist, können hoffen.

Letztes Frühstück in Jerusalem (jedenfalls vorläufig), Koffer die Treppe runter tragen (der überlastete Fahrstuhl strapaziert die Geduld) und Vorfreude aufkommen lassen. Es geht weiter.

Shana HaBa BiJerushalajim… Nächstes Jahr in Jerusalem wünschen sich Juden am Sederabend und an Jom Kippur oder auch sonst bei passender Gelegenheit. Einige von uns haben schon Vorsätze gefasst, nochmal nach Jerusalem zurück zu kommen.

Unsere Reise erreicht heute ihren Tiefpunkt, das Tote Meer, 420m unter NN. Aus dem turbulenten Leben in der Stadt geht es in die Wüste, an den tiefsten Punkt der Erde.

Das Ufer des Toten Meeres hat sich über die vergangenen Jahrzehnte immer mehr zurück gezogen. Der Wasserstand ist über Jahrzehnte Jahr für Jahr um einen Meter gefallen. Eine Folge des hohen Wasserbedarfs einer wachsenden Bevölkerung. Leider ist das Wetter sehr diesig, das gegenüber liegende Ufer und die jordanischen Berge eher zu ahnen als zu sehen

Auf dem Programm stehen Masada, die Felsenfestung, Ein Gedi, die Oase und Qumran, dem Fundort antiker u.a. alttestamentlicher Schriftrollen.

MASADA: Die Felsenfestung Masada erschliesst sich dem Besucher über eine Seilbahn Schweizer Bauart. Man kann, und Einzelne tun das, auch zu Fuß über den Schlangenpfad die knapp 400 Höhenmeter überwinden.

Herodes der Große hat hier eine mit unvorstellbarem Prunk ausgestattet Palastanlage bauen lassen. Für viele Israelis und Juden ist aber eine andere historische Begebenheit wichtig.

Während des Aufstandes der Juden gegen die Besatzung durch die Römer hat sich eine kleine Gruppe von etwa 1000 Männern, Frauen und Kindern hierher zurückgezogen um der Verfolgung durch Rom zu entkommen. Das konnte Rom nicht dulden. Ein römisches Heer hat Masada nach dreijähriger Belagerung eingenommen.

Als die Eroberung unabwendbar bevor stand, entschlossen sich die Eingeschlossenen zum kollektiven Selbstmord. „Lieber tot als Sklave“ war ihre Entscheidung. Lediglich einige Frauen und Kinder überlebten.

EIN GEDI: Ein Gedi, eine Oase etwas nördlich von Masada, ist seit antiker Zeit besiedelt. Zu römischen Zeiten wurde ein hier vorkommender Strauch zur Herstellung von Parfüm genutzt, verarbeitet und von Herodes dem Großen (er liebte Luxus) teuer im ganzen römischen Reich verkauft. 

Lange davor aber ereignete sich hier eine biblische Geschichte. Der von Saul verfolgte David versteckte sich in einer Höhle in Ein Gedi. Obwohl David die Chance hatte, seinen Widersacher ins Jenseits zu befördern, tat er es nicht.

QUMRAN: Eine jüdische Sekte, von Josephus Flavius Essener genannt, die die Korruption im religiösen Leben und am Tempel in Jerusalem ablehnte, hat sich nach Qumran in die Wüste zurückgezogen.

1947 wurden von einem Hirtenjungen Schriftrollen aus dem 1. u 2. Jhrt unserer Zeitrechnung gefunden. Über Antiquitätenhändler gelangten sie in wissenschaftliche Hände. Eine Sensation.

Bis zu den Funden von Qumran hatten wir lediglich etwa 1000 Jahre alte Quellen alttestamentlicher Schriften. Jetzt sind es 2000 Jahre. Die Annahme, dass schriftliche Überlieferung der Alten Testaments je jünger desto mehr Fehler und Verfälschungen enthält, wurde wesentlich durch die Funde von Qumran widerlegt.

Nach so viel Archäologie und Geschichte MUSS jetzt Entspannung sein und zwar der ganz besonderen Art. Ein Bad im Toten Meer mit seinen 34% Salzgehalt (die Nordsee hat 3%) ist ein Erlebnis. Man legt sich auf den Rücken und läßt sich tragen. Untergehen ist unmöglich, Zeitunglesen aber sehr wohl.

Fotos davon haben die meisten vielleicht schon gesehen, es selbst zu erleben ist etwas anderes.

Nicht genug für diesen Tag. Bevor wir in unser nächstes Hotel einziehen, haben wir ein Abendessen in einem Restaurent in Jericho, das nur wenige Kilometer nördlich des Toten Meeres im Jordangraben liegt. Man sagt, es sei die älteste Stadt der Welt.

Dieses Abendessen, obwohl es wirklich lecker war, wäre kaum erwähnenswert. Wir sollen heute Abend aber noch eine ganz besondere Arbeit kennenlernen, die Arbeit von Seeds of Hope.

Seeds of Hope betreibt im moslemisch palesinensischen Umfeld (nur 1% der 40.000 Einwohner von Jericho sind Christen) Schulen und ein Kulturzentrum und hat das Ziel, die Kinder in einer liebevollen und respektvollen Atmosphäre zu erziehen, auszubilden und auch sonst zu unterstützen. Auch Hilfe für körperlich behinderte Kinder gehört dazu. Das ist hier alles andere als selbstverständlich. Die Kinder, die diese Art Zuwendung erleben, sind die Peacemaker, die Friedensstifter von morgen. Davon sind die Mitarbeiter von Seeds of Hope überzeugt. Gegründet wurde die Arbeit von Seeds of Hope (Samen der Hoffnung) vor etwa 10 Jahren von Taysir Abu Saada, einem ehemaligen islamistischen Kämpfer und Leibwächer von Jasir Arafat, der zum Glauben an Jesus Christus fand und dessen Leben sich dadurch radikal geändert hat. Seine ungewöhnliche Biografie kann in einem Buch nachgelesen werden.

Helmut Cohrs

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Qumran


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Ein Gedi


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Auf der Festung Madada


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In Qumran


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Mit der Seilbahn oder zu Fuss hoch auf Masada


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Masada

 

Tag 9 Mi 08.05.19

Vier Uhr, mit dem Ruf des Muezzins ist die Nacht gefühlt zu Ende, jedenfalls für die, die nicht wieder einschlafen können.

Unser Hotel für diese Nacht ist bei Tageslicht betrachtet gediegene Anlage mit riesigem Swimmingpool.

Die Terasse lädt zum Frühstück im Freien ein.

Die erste Station an diesem Mittwoch ist nur gut 10 km entfernt und liegt direkt an oder auf der Grenze zu Jordanien. Von beiden Seiten ist diese Stelle zur Erinnerung an die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer ausgebaut worden und für Pilger und Touristen zugänglich. Die Anlage wird (es ist ja eine Grenze) militärisch dezent und attraktiv geschützt.

Der Jordan ist heute etwa 5-10 m breit, ein Flüsschen. 

Pastor Michael Wacher erinnert an die Taufe Jesu bei der Gott sagte, „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“. Auch uns soll dieser Zuspruch, bei Gott angenommen und vorbehaltlos geliebt zu sein, in der Erinnerung an unsere eigene Taufe gelten. 

Diese persönliche Tauferinnerung berührt und wir singen das Lied: Ich bin getauft auf deinen Namen, …

Vorbei an Ramallah ist Beth-El das nächste Ziel. Auf ca. 900m Höhe hier im samarischen Westjordanland schauen wir von einer Aussichtsplattform auf Ramallah, dem Sitz der Palesinensischen Autonomiebehörde und können in westlicher Richtung die Sharonebene zum Mittelmeer hin und nördlich und östlich das Hügelland von Samaria  erkennen. 

Um 11 Uhr, Eytan vermittelt uns gerade eine kleine Geografiekunde, ertönen wieder die Sirenen. Das ganze Land steht wieder still im Gedenken an die Gefallenen der Kriege und des Terrors. Überall finden Gedenkfeiern aus diesem Anlass statt, denn es gibt in Israel kaum eine Familie, die nicht irgendwie davon betroffen ist, auch die Familie von Machmud, unserem Busfahrer.

Beth-El ist auch ein biblischer Ort. U.a. Hatte Jakob hier seinen Traum von der Himmelsleiter, nachzulesen in 1.Mose 28. Und Jakob nannte den Ort Beth-El, Haus Gottes.

Unser Weg führt uns weiter. Unterwegs (das Frühstück ist lange her) macht Machmud einen kurzen Schlenker in ein kleines palestinensisches Dorf. Ein paar Obstkisten mit Falafelsandwich und Getränken für die Mittagspause in Shilo werden in den Bus geladen. 

Nach 40 Jahren Wüstenwanderung führte Josua das Volk Israel über Gilgal nach Shilo. An diesem Ort stand für 369 Jahre das Stiftszelt, das Heiligtum, der Ort der Begegnung, das Gott Mose zu herzustellen befohlen hatte. Hierher kamen die Stämme 3 mal im Jahr zu den Festen Pessah, Schawuot und Sukkot. Es war der Vorläufer des Jerusalemer Tempels. 

Seit dem Ende Sechstagekrieg, als dieser Teil des Landes für die Wissenschaft wieder zugänglich wurde, gibt es hier archäologische Ausgrabungen.  Es gibt zur Zeit wöchentlich Funde, wie unsere Tour Guide erklärt. Es wurden 7 byzantinische  Kirchen, eine Mosche und eine Synagoge gefunden.

Erst im Sommer 2018 bekam eine christliche kalifornische Universität die Erlaubnis, in einem bestimmten Areal zu „buddeln“ und förderte viele neue Details zu Tage.

Die Ergebnisse dieses archäologischen Booms darzustellen, ist unserem Reisebericht nicht möglich.

Was hat uns das heute zu sagen?

Die Bibel berichtet von Hannah, einer kinderlosen Frau, die hier Shilo in Heiligtum kommt und betet. Sie betet um ein Kind. Das Gebet der Hannah ist eine spirituelle Revolution. Kein Opfer, keine Vorleistung, nichts von all dem. Direktes Gebet zu Gott, einfach und von Herzen. Es wird erhört.

Wir fahren weiter, der modernen Straße Nr 60, einer antiken Handelsstraße, folgend in Richtung Norden.

Kurz vor Nablus, das die Römer Neapolis nannten und das dem biblischen Sichem entspricht, biegen wir links ab und fahren hinauf auf den Berg. Ein unglaublicher Ausblick eröffnet sich von hier oben. Unsere Aussichtsplattform von heute morgen verblasst in der Erinnerung.

Auch hier der Blick auf biblisch historische Orte, den Berg Ebal, die Stadt Sichem, das Grab Josefs. Es kann einige Male im Jahr von gläubigen Juden besucht werden. Es liegt in der A-Zone Nablus und die ist für Juden unzugänglich. Außerdem lebt hier die jüdische Gemeinschaft der Samaritaner, die heute nur noch ca. 800 Mitglieder hat.

Bevor wir in unser nächstes und letztes Hotel fahren, besuchen wir Batya Erdstein in ihrer Töpferei bei der jüdischen Siedlung Itamar.

Sie kommt aus Kalifornien, ist eigentlich Hebamme. Töpferei hat sie sich selbst beigebracht bzw. bei YouTube abgeguckt. Ihr Mann und sie wollen etwas zum Aufbau des Landes beitragen. Er hat 200 Bäume gepflanzt und jetzt, nach 4 Jahren, gibt es hier wieder Vögel, erzählt sie.

Eine beeindruckende Frau und natürlich, einige getöpferte Souveniers gehen über die Ladentheke.

Das Hotel erwartet uns mit einem wunderbaren Buffet nach diesem langen Tag und so langsam kommt Abschiedsstimmung auf. Ein ungläubiger Blick auf den Kalender sagt uns, morgen ist Abreise. Zurück in den Teil der Welt, den wir Heimat nennen, sei es Süd- oder Norddeutschland oder dazwischen.

Ein paar Unermüdliche lassen sich auch um 22 Uhr nicht zurück halten. Im Stadtzentrum von Ariel haben die Feierlichkeiten zum morgigen Unabhängigkeitstag begonnen. Wir haben das schon gelernt! Hier beginnt der Tag mit dem Sonnenuntergang am Abend davor.

Nach 3 km Fußweg kommen wir rechtzeitig zum Feuerwerk an und nehmen die fröhliche Stimmung auf. Interessanterweise spielt Alkohol hier keine Rolle, eher Live-Musik, Seifenblasen und kulinarisches…

Auf die vielen Feierlichkeiten, die wir miterleben, müssen wir morgen nochmal eingehen…
Helmut Cohrs
Abreisetag Do 9.5.19
Am Morgen unseres Abreisetages werden wir wieder mit herrlichem Sonnenschein (ohne Muezinn) begrüßt.
Nach dem Frühstück setzen wir uns zu einer Abschlussrunde zusammen. Wir tragen zusammen und geben einander Anteil an dem, was uns in diesen neun Tagen bewegt hat, wichtig geworden ist oder sonst beeindruckt hat. Bei vielen waren es vor allem die persönlichen Begegnungen, die diese Reise nach Israel für sie wertvoll gemacht haben.
Last but not least kommt der Dank an unseren Busfahrer Mahmud, unseren Reiseführer Eytan und an unsere Reiseleiter Pastor Michael Wacker und seine Frau Luise.
Und, was natürlich nicht fehlen darf, das Gruppenfoto im Hotelgarten am Swimmingpool.Der Bus wird beladen. Die Koffer für die, die nach Berlin fliegen rechts (oder links?) und die, die nach Frankfurt oder Hamburg fliegen nach links (oder rechts?).
Die Abflugzeiten sind recht unterschiedlich und sollen zuerst die Nicht-Berliner am Ben-Gurion Airport abgesetzt werden.
Die Berliner haben etwa drei Stunden mehr Zeit und fahren noch nach Jaffo, der (ur-)alten Hafenstadt südlich von Tel Aviv.
Das Glück ist im Leben nicht immer gleichverteilt…
Auf dem Weg zum Flughafen werden wir an der Grenze kontrolliert und nicht nur durch die Kontrollstelle durchgewunden, wie sonst passiert ist.
Beinahe hatten wir es vergessen, aber die letzten beiden Tage haben wir im palestinensischen Westjordanland verbracht.
Der Bus muss rechts raus abgestellt und der Motor abgeschaltet werden. Zwei Beamte kommen zu uns in den Bus und schauen sich einige Pässe an. Dabei sind sie sehr freundlich.
Eytan berichtet uns, daß an diesem Kontrollpunkt vor einiger Zeit vorkam, daß ein Busfahrer einen Sprengstoffgürtel schmuggeln wollte und daß die Sicherheitskräfte deshalb hier besonders sensibilisiert sind.

ERINNERUNG Wir erinnern uns an dieser Stelle nochmal an einen besonderen Umstand unserer Reise, der uns fast von Anfang bis jetzt zum Schluss begleitet hat.

In die Zeitspanne unserer Reise fallen die drei wohl wichtigsten säkularen Gedenktage des Staates Israel. In der vergangenen Woche erlebten wir am 02. Mai den JOM HA SHOA, den Holocaustgedenktag, der sich nicht nur auf die Vergangenheit bezieht. In Israel leben noch ca. 160.000 Überlebende, oft in eher ärmlichen Verhältnissen.

Vorgestern Abend begann JOM HA ZIKARON, der Gedenktag an die Gefallenen und Opfer von Krieg und Terror. Seit der Staatsgründung sind es 26891 Namen einschließlich der 4 Opfer der kürzlichen Raketenangriffe, einem Ultraorthodoxen, einem arabischen Beduinen, einem säkularen Kibbutznik und ein weiterer Name. Der Terror macht keine Unterschiede. Es ist ein Tag der Trauer, der Anteilnahme und der Erinnerung an die Namen der Opfer. 

Und gestern Abend begann JOM HA ATZMAUT, der Tag der Unabhängigkeit und Staatsgründung.

Eines der Dinge, die uns hier in Israel auffallen ist, ist das, daß man nach vorne schaut, auf die Zukunft ausgerichtet ist, die man mit viel Kraft gestalten will. Israel will die Vergangenheit, das Exil in aller Welt mit ihren oft von Christen gegen Juden gerichteten Pogromen, die Shoa und die Kriege nicht vergessen. Vor allem, so haben wir es in Yad VaShem gelernt, sollen die Namen der Einzelnen nicht vergessen werden, nicht die in der Shoa Umgekommenen und auch nicht die, die ihr Leben in Kriegen und Terroranschlägen verloren haben. Jom Ha Atzmaut ist der Tag an dem nach vorne geschaut wird und das Leben aufgebaut wird. Auch für Juden in aller Welt, die in zunehmend antisemitisch eingestellten Gesellschaften in Europa und anderswo, Israel als einzig möglichen Zufluchtsort verstehen.

Davon und von vielem anderem haben wir  in diesen Tagen unserer Reise begonnen, mehr zu verstehen.

Und falls uns jemand fragen sollte, wie es in Israel war, dann können wir mit Krista Gerloff sagen: anders.

Anders als zu Hause in Nord- oder Süd-Deutschland, anders als wir es erwartet haben oder es uns vorgestellt haben und an der einen oder anderen Stelle auch anders, als wir es uns gewünscht hätten.

Vielen Dank an alle, die zum Gelingen dieser Reise beigetragen haben.

Hier die Namen:

Eytan, unser Reiseführer; Mahmud, unser Busfahrer; Pater Kelly, Magdala; Shmuel Ulmer, von der messianischen Gemeinde Tiberias; Josef, vom Kibbutz Misgav Am; unsere Gastgeberfamilien beim Shabbatmahl; Yoela, die uns am Shabbat durch Jerusalem geführt hat; Krista Gerloff, Autorin aus Jerusalem; Mohaned, unser Tour Guide in Bethlehem; Bischof S. I. Azar; Khader Ghanim, von Seeds of Hope in Jericho; Batya Erdstein, Töpferin in Itamar; Pastor Michael Wacker und seine Frau Luise, unsere Reiseleiter

Helmut Cohrs

Reisebericht Israelreise 2019

Die Reisegruppe mit Flug nach Berlin hat vor dem Abflug noch Zeit für einen Aufenthalt in Jaffo


Reisebericht Israelreise 2019

Auf Wiedersehen Israel!